Review

"Wenn du aus der Hand filmst, verwackelt alles."

"[REC]³ Génesis" erzählt die Handlung der beiden Vorgänger nicht weiter sondern beschäftigt sich mit einer zuvor verlaufenden Geschichte, die ein paar Verweise zu den ersten beiden Filmen enthält.

Clara (Leticia Dolero) und Koldo (Diego Martin) vermählen sich und feiern mit ihren Familien und Freunden ihre Hochzeit. Die Feierlichkeiten werden aber jäh unterbrochen als ein Gast von einem Balkon fällt, Blut spuckt und sich in den weiteren Anwesenden verbeißt. Eine Panik bricht aus und immer mehr Gäste verhalten sich ähnlich. Koldo und Clara werden in dem Chaos getrennt und verschanzen sich mit ein paar weiteren Überlebenden. Beide wollen den Partner unbedingt wieder finden und suchen die Räumlichkeiten ab, stets von den sich merkwürdig benehmenden Familienmitgliedern und Freunden verfolgt.

Alles wieder auf Anfang, könnte man meinen. "[REC]³ Génesis" beginnt mit der Vorstellung der Hochzeitsgesellschaft und den Feierlichkeiten. Die Figuren werden in den ersten 20 Minuten rundimentär eingeführt, der dokumentarische Stil mit verwackelter Optik bleibt zunächst erhalten. Dann aber passiert etwas ungewöhnliches.

Nach der späten Titeleinblendung folgt der Perspektivenwechsel und mit ihm die Abkehr vom konzeptionellen Minimalismus. Mit dem Ausfall der Kamera eines Hobbyfilmers wechselt "[REC]³ Génesis" zu einer professionellen Präsentation. Wackelkamera, unscharfe Bilder, übersteuerter Ton, schlecht gesetzter Fokus und plötzliche Schwenks auf Untote gibt es für den Rest des Films nicht mehr.
Gleichzeitig bricht der Horrofilm mit den mannigfaltigen Stilmitteln der Vorgänger. Von der ursprünglichen Idee der Reihe bleibt nicht mehr viel übrig geblieben. Somit wird Teil 3 zu einem generischen Zombiestreifen ohne Wiedererkennungsmerkmal.

Mit dem visuellen Wandel erreicht "[REC]³ Génesis" zumindest eines: Die bisherigen heftigen Splattereinlagen fallen nun teilweise noch wuchtiger aus und sind handwerklich schöner anzusehen. Für die Reihe ist dies aber kein wirklicher Schritt nach vorne. Denn Tempo und Intimität erreichen nicht das Maß, um das Publikum dicht an die Protagonisten zu fesseln.
Stattdessen setzt der Film auf deplazierten Humor. Etliche Passagen wirken unfreiwillig komisch, andere erscheinen hoffnungslos überzogen. So geht in kürzester Zeit die mühsam aufgebaute, bedrohliche Atmosphäre vor die Hunde.

Auch durch Logiklücken und Klischees bekleckert sich "[REC]³ Génesis" nicht mit Ruhm, wobei diese Elemente schon immer vorhanden waren.
Die Schauspieler agieren zweckmäßig, zeigen aber keine Höhen. Die meisten dienen ohnehin nur als Kanonenfutter. Dennoch ist es für die beiden Hauptdarsteller Leticia Dolero und Diego Martin schade, dass sie keinerlei Möglichkeit erhalten, ihren Figuren ein wenig Dynamik zu verleihen.

Von der bisherigen Reihe ist "[REC]³ Génesis eindeutig der schwächste Teil. Weniger wegen den obligatorischen Elementen, die immer wieder im Horror-Genre zu finden sind. Eher durch den Wechsel von bedrückend dichter Atmosphäre zu nicht zündender Zombie-Komödie. Da der Film keinerlei Überraschungen enthält, bleibt die Spannung ganz schön auf der Strecke. Zumindest passt die wuchtige Inszenierung. Knappe ...

4 / 10

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